Radiosendungen zum Festival – Teil I

Rockradio.deAm heutigen Donnerstag – 23. Februar – beginnt das diesjährige Festival Musik und Politik. Am Abend gibt es auch gleich zwei Radiosendungen, die sich damit beschäftigen.

Ganz umfangreich zur Sache geht es bei Rockradio.de, wo das Eröffnungskonzert des Festivals mit MTS & Der Black ab 19.30 Uhr live im Webstream übertragen wird. Auch in den kommenden Tagen überträgt Rockradio.de Festivalveranstaltungen – hier gibt es Informationen dazu.

Radio EinsEbenfalls heute in der Donnerstagnacht läuft auf Radio Eins ab 23 Uhr die Sendung “Experience” mit Helmut Heimann. Hier gibt es Freikarten für Festivalveranstaltungen zu gewinnen, insbesondere für das Konzert “Woody Guthrie 100″ im Kesselhaus. Natürlich macht die Radioshow auch sonst ihrem Namen und Sender alle Ehre. Auch Radio Eins bietet übrigens einen Webstream, falls Sie nicht im Raum Berlin wohnen und den Sender auf 95,8 MHz empfangen können.

Heute in der taz

In der heutigen “taz” führt der Journalist Sebastian Puschner ein ausführliches Interview mit Festivalchef Dr. Lutz Kirchenwitz. Darin wird die Entstehung nicht nur unseres Festivals und seiner Vorgänger (“Festival des politischen Liedes”, “ZwischenWelt-Festival”) beleuchtet, sondern auch Beginn und Entwicklung der Folk- und Singebewegung.

Die Ausstrahlungskraft des 1970 entstandenen Vorgängerfestivals in die DDR-Jugendszene ist heutzutage kaum noch vorstellbar (“… wir konnten uns ja nicht einfach irgendeinen Livestream reinziehen.” – Lutz Kirchenwitz). Doch auch heute gibt es einiges zu entdecken – man denke nur an die Konzerte der “Liederbestenliste”.

Das Festival im 21. Jahrhundert ist kleiner als in den 80er Jahren, kann sich aber dafür ohne Bevormundungen auf sein Kernthema konzentrieren: “Es geht überhaupt um Musik mit politischem Anliegen. Oder politischer Wirkung – das ist ja nicht immer identisch.” (L.K.)

Zum vollständigen Text des Interviews…

 

Kulturnotstand in Pankow

Wie bereits HIER berichtet, leidet das Festival genau wie zahllose Künstler, Konzert- und Theaterbesucher, Eltern und Kinder unter dem hemmungslosen Kulturkahlschlag im Berliner Bezirk Pankow. Einzusehen ist, dass auch ein Kulturhaushalt Sparbeiträge zur Konsolidierung eines Bezirkshaushaltes leisten muss. Um 1 Million Euro einzusparen (Quelle: u.a. taz vom 18.1.2012), plant Kulturstadtrat Torsten Kühne (CDU) die Schließung von Bibliotheken, Musikschulen, Galerien und des kompletten Kulturstandortes rund um die WABE.

Abgesehen davon, dass der Einspareffekt durchaus umstritten ist, möchte doch niemand seine Kinder in einer Welt ohne Bibliotheken, Musikschulen und andere kulturelle Einrichtungen aufwachsen lassen. Erwachsene werden notfalls zu “Kulturflüchtlingen” – ein Prozess, der im bereits weitgehend ruhiggestellten Prenz’lberg schon längst Richtung Friedrichshain begonnen hat (ein kultureller touristischer Anziehungspunkt ist die süddeutsche Kleinstadt rund um den Kollwitzplatz längst nicht mehr). Doch wie sieht es eigentlich mit dem Nachwuchs aus? Und wo wird diese Jugend, sollte sie diese Jahre der Verblödung mit einem Restfunken Kreativität überleben, später die erste Band gründen, das erste Bild malen und ausstellen, Theater spielen?

Festivalkonzert 2005 in der WABE

Festivalkonzert 2005 in der WABE

In der Vergangenheit stand Berlin und gerade auch Pankow für kulturelle Vielfalt. Selbst wer niemals reist, hat hier die Chance, praktisch jede kulturelle Idee kennenzulernen. Die WABE ist ein gelungenes Beispiel für ein Kultur-Haus im Wortsinne. Hier gibt es seit über 20 Jahren Livemusik aller Art, aber auch Theater, Diskussionsrunden, Musikwettbewerbe, Kinderfeste. Hier spielen Newcomer neben etablierten und bekannten Künstlern, die faire Produktionsbedingungen für ihre Veranstaltungen vorfinden. Davon hätte die WABE schon öfters profitieren können. Allein – mögliche Einnahmen verschwinden im Bauch des Bezirkshaushaltes und möglicher kommerzieller Erfolg von Veranstaltungen wird der WABE überhaupt nicht angerechnet. Erhält die WABE im Gegenzug einen vernünftigen Etat zum Unterhalt und zur Planung von Veranstaltungen? Nein. Verdient die WABE – wie jeder andere Veranstalter auch – gut an der Gastronomie? Wieder Fehlanzeige. Nun wird die WABE wie ein Klotz am Bein behandelt. Statt sich der Verantwortung für die Musikkultur des großen Bezirks Pankow zu stellen, streicht man lieber die Stellen der letzten Mitarbeiter und die letzten Groschen Sachmittel. Die Einsparung ist nicht gerade riesig, zumal man ja die wirtschaftlichen Möglichkeiten gelungener Veranstaltungen unter den Tisch fallen lässt.

Das richtige Rezept wäre hier – genau wie bei Banken und südeuropäischen EU-Partnern – das AUSGEBEN von Geld! Dabei geht es nicht um Unsummen, sondern um Etats, die der WABE erlauben, ein nichtkommerzielles, allgemeinbildendes Konzept zu bewahren und auszubauen. Kulturarbeit erfüllt Funktionen in der Bildung, Integration, Nachwuchsgewinnung, aber auch bei der Imagepflege eines Bezirkes, der auf Touristen angewiesen ist (denn Fabriken gibt es hier genau so wenig wie in Griechenland). Kultur entsteht nicht allein aus Hobbies. Musiker können nicht alle Taxi fahren und nebenbei noch Werke schaffen. Theater kann sich nicht auf Busfahrten zu Musicals beschränken. Berlin-Pankow braucht geförderte Kultur, von ganz unten (Musikschulen) bis ganz oben (Konzerte mit namhaften Künstlern und Raum für freie Theatergruppen). Wenn der Kulturbetrieb erst einmal läuft, bringt er übrigens auch Einnahmen hervor, die zumindest die Ausgaben minimieren.

Der derzeitige Notbetrieb nach Haushaltssperre in der WABE bedeutet: kein ausgebildetes technisches Personal vor Ort, keine Security, keine Kartenverkäufer und Garderobieren. Schon gar nicht ist an Kartenvorverkauf und Künstlerbetreuung wie Catering oder Übernachtungsplätze zu denken. Und das bei bestehenden Verträgen wie z.B. mit uns und unseren Künstlern. Das Festival mit seinen kaum kommerzialisierbaren Veranstaltungen ist durch die entstehenden Mehrkosten akut gefährdet. Doch wir sind nur ein winziger Ausschnitt des Gesamtproblems…

Berlin leistet sich enorme Ausgaben an anderen Stellen. Die eine Million für Kultur in Pankow, Prenzlauer Berg, Weißensee ist jedoch anscheinend nicht aufzutreiben. Möglicherweise steckt sie in einer Ecke vom Stadtschloss (geplanter Berliner Anteil: 32 Millionen). Eine potente Firma wie BMW baut derweil ein neues repräsentatives Autohaus für sogar 65 Millionen in Berlin. Man hätte ja wenigstens mal nach einer Spende fragen können. Bürgermeister Klaus Wowereit ist gerade unterwegs (er hat ein wulffiges Ticket nach Rom bekommen). Betreibt er dort Fundraising?

 

Tickets zum Konzert mit Woody Sez, Tom Morello, Wenzel

Für das Abschlusskonzert des Festivals am 26. Februar 2012 ”Woody Guthrie 100″ gibt es derzeit noch Tickets im Vorverkauf. Am sichersten geht dies über die Vorverkaufskassen in der KulturBrauerei selbst oder über renommierte Online-Kartenkassen wie eventim und Hekticket:

Die Kartenkasse in der Berliner KulturBrauerei befindet sich im Gebäude 7.2 (Eingang K) rechts neben der Alten Kantine.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 12-18 Uhr, Tickethotline (030) 44315100
Der Vorverkaufspreis für das Konzert “Woody Guthrie 100″ beträgt hier 24,90 EUR / ermäßigt 20,00 EUR.

Vorverkauf bei eventim

Auch über die die Ticketsysteme von eventim können Karten in vielen Vorverkaufsstellen und online geordert werden. Klicken Sie bitte HIER oder auf das eventim-Logo, um direkt für die Festivalveranstaltung im Kesselhaus Eintrittskarten zu kaufen. Sie können zwischen Express- und Normalversand (auch weltweit) wählen oder Tickets auch selbst ausdrucken.

Tickets bei Hekticket

Bei Hekticket funktioniert dies ganz ähnlich; es stehen zahlreiche Zahlverfahren zur Verfügung. Klicken Sie bitte HIER oder auf das Logo, um direkt Eintrittskarten für “Woody Guthrie 100″ zu bestellen.

 

Aus unseren Archiven

Archive, Archive...Der Verein “Lied und soziale Bewegungen e.V.”, Hauptveranstalter des “Festivals Musik und Politik”, bewahrt in seinen Archiven so manchen Schatz, zum Beispiel aus der zwanzigjährigen Geschichte des “Festivals des politischen Liedes” von 1970 bis 1990. Durch mangelnde Finanzierung (Arbeitskräfte!) ist noch längst nicht alles aufgearbeitet. Dies gilt auch für die unzähligen Tonaufnahmen von Festivalveranstaltungen.

Aufgrund regelmäßiger Nachfrage bemühen wir uns, unsere Archive auch für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Neu bei uns ist das öffentlich zugängliche und durchsuchbare Liedblattarchiv. Hier haben wir nahezu 600 Titel erfasst, zu denen uns Noten und Texte vorliegen.

Einige Einblicke in unser Plakatarchiv gibt es HIER. Weitere Datenbanken wie zum Beispiel unser riesiges Musikarchiv sind bislang leider noch nicht öffentlich zugänglich, da uns entsprechende Mittel für den Betrieb einer erweiterten Webseite fehlen.

Wenn Sie für journalistische Zwecke, zur Forschung oder für Ausstellungen und Dokumentationen weiteres Material benötigen, sprechen Sie uns bitte an.

Das Festival live bei Rockradio.de

Rockradio.deWie schon in den vergangenen Jahren gibt es anlässlich des “Festivals Musik und Politik” wieder Liveübertragungen aus dem Festival über das Webradio Rockradio.de. Der Umfang wurde erheblich ausgeweitet: gleich drei abendfüllende Hauptveranstaltungen des Festivals werden komplett ausgestrahlt!

Ergänzend zum Hörerlebnis überträgt Rockradio.de im Rahmen der Sendungen auch Schnappschüsse vom Konzert über eine Webcam; zudem gibt es während der Sendezeit einen Livechat mit den Radiomachern vor Ort.

Freuen dürfen wir uns also auf dialektisch-absurden Humor im Konzert von “MTS” und “Der Black”, musikalische Neuentdeckungen beim Konzertabend der “Liederbestenliste” und ein umfangreiches Sonderkonzert mit sieben (!) Einzelprogrammen in der “Eisleriade”.

Letztere wird übrigens – das ist ein Novum in der Festivalgeschichte – in Kunstkopfstereofonie übertragen und vermittelt damit ein besonders echtes Live-Erlebnis! Wer es also nicht schafft, in Berlin live dabei zu sein, ist herzlich eingeladen, uns an diesen Abenden zumindest im Stream zu besuchen.

Festival-Videotrailer 2012


Videoproduktion: Stefan Paubel

Berliner Kulturstandort bedroht… und damit das Festival

Einige der wichtigsten Festivalstandorte liegen im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg, konzentriert im “Kulturareal im Ernst Thälmann Park”. Dazu gehört die traditionsreiche WABE, die zu DDR-Zeiten als Kulturhaus für den Bezirk errichtet wurde und bis heute ein überregional wichtiger Kulturstandort ist. Unzählige Künstler aus nahezu allen Musikszenen und aus der ganzen Welt traten und treten hier auf.

Doch diese Bühne ist, genau wie das Theater unterm Dach, Galerie und Jugendtheateretage (ehemals ZwiEt) bereits seit Jahren und jetzt auch wieder akut von Schließung bedroht.  Die WABE wird auf Sparflamme gekocht; sie überlebt nur aufgrund des Engagements ihrer wenigen festen Mitarbeiter und der Aktivitäten des Aktionsbündnisses Berliner Künstler.

Befremdlich ist nicht nur, dass die öffentlichen Kulturträger des Bezirkes Pankow/Prenzlauer Berg (und beileibe nicht nur die WABE!) praktisch platt gemacht werden, sondern auch, dass die im Haushalt des Bezirkes fehlenden Mittel nur Bruchteile der Beträge darstellen, die anderswo in Berlin für Hochglanz- und Prestigeprojekte verbraten werden. Gleichfalls unerhört ist die Tatsache, dass selbst vertraglich gebundene Veranstaltungen wie unser Festival davon bedroht sind.

Dazu gibt es einen Brief des Festivalleiters Dr. Lutz Kirchenwitz an den Kulturstaatssekretär André Schmitz und den Kulturstadtrat von Pankow, Torsten Kühne. Im folgenden der Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Schmitz,

seit zwölf Jahren veranstalten wir in Berlin das internationale Festival Musik und Politik, zu einem Teil in Veranstaltungsstätten wie der Kulturbrauerei oder der Volksbühne, zum anderen Teil aber im Kulturareal Thälmann-Park mit der WABE im Mittelpunkt. Hier findet der Hauptteil des Festivals mit Ausstellungen, Gesprächen, Filmvorführungen und Konzerten statt.

Schon mehrfach drohte das Festival durch Schließungspläne bzw. Haushaltssperren in Pankow buchstäblich in letzter Minute zu scheitern. Das ist nun wieder der Fall.

Wir haben in Kooperation mit den Woody Guthrie  Archives (New York), der Internationalen Hanns Eisler Gesellschaft, der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem DeutschlandRadio und anderen Partnern ein Programm vorbereitet, Plakate, Programmhefte und Flyer gedruckt, und nun hat die WABE keine Veranstaltungsmittel und ist von der Schließung bedroht. Das ist kräftezehrend und tödlich für eine kontinuierliche Kulturarbeit.
 
Sehr geehrter Herr Schmitz, wir bitten Sie, sich für die Freigabe der  Veranstaltungsmittel und gegen die Pankower Schließungspläne einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Lutz Kirchenwitz
LIED UND SOZIALE BEWEGUNGEN E.V.
c/o Dr. Lutz Kirchenwitz

Weiter Informationen:

Zum Vorverkauf für das “Festival Musik und Politik”

Hier finden Sie alle Informationen zum Ticket-Vorverkauf und zu freien Veranstaltungen des “Festivals Musik und Politik” 2012. Klicken Sie einfach auf die Frage, die Sie interessiert:

Gibt es ein Gesamt-Ticket zum Festival 2012?

Das Festival bündelt strukturell unterschiedliche Spielstätten und Mitveranstalter wie öffentliche Theater und Kulturhäuser, aber auch private Klubs, Stiftungen und Jugendvereine. Jeder dieser Kooperationspartner verfügt über eigene Haushalte und Finanzbestimmungen. Daher wäre eine Gesamtkarte für das Festival im Einzelnen kaum abrechenbar. Zudem sparen wir die Kosten für ein fälschungssicheres Ticket- oder Couponsystem und stecken sie dafür in die Künstlergagen oder Reisekosten.

Wo gibt es Karten für die WABE?

Die Tickets für die WABE können unter der Rufnummer (030) 9 02 95 38 50 vorbestellt werden. Dort können Sie Ihren Namen und die gewünschte Anzahl hinterlassen.

Die Tickets für die WABE-Veranstaltungen im Rahmen des Festivals kosten in diesem Jahr 15 EUR, ermäßigt 10 EUR. Ein "echter" Vorverkauf ist aufgrund der günstigen Preise leider nicht möglich; jedoch klappt die Kartenvorbestellung problemlos.

Wo gibt es Karten für das Kesselhaus?

Das Kesselhaus in der Berliner KulturBrauerei verfügt über eigene Vorverkaufskasse. Diese befindet sich im Gebäude 7.2 (Eingang K) rechts neben der Alten Kantine.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 12-18 Uhr, Tickethotline (030) 44315100
Der Vorverkaufspreis für das Konzert "Woody Guthrie 100" beträgt 24,90 EUR / ermäßigt 20,00 EUR.

In der Regel ist es möglich, Tickets für Veranstaltungen im Kesselhaus für 48 Stunden zu reservieren. Diese Reservierungen sind namensgebunden und verfallen automatisch, wenn die Tickets nicht innerhalb dieser Frist im Ticketcenter abgeholt werden
Vorverkauf bei eventim

Auch über die die Ticketsysteme von eventim können Karten in vielen Vorverkaufsstellen und online geordert werden. Klicken Sie bitte auf das eventim-Logo, um direkt für die Festivalveranstaltung im Kesselhaus Eintrittskarten zu kaufen.

Gibt es denn auch Festivalveranstaltungen mit freiem Eintritt?

Ja, die gibt es. Grundsätzlich ist der Eintritt zu unseren Gesprächsveranstaltungen - Künstlergespräche, Podiumsdiskussionen, ggf. Vorträge - frei. Auch die Ausstellungen, manche Musikveranstaltungen und Filmvorführungen können kostenlos besucht werden. In diesem Jahr trifft dies auf folgende Programmteile des Festivals zu:

Ausstellung: “An Mut sparet nicht noch Mühe” Hanns-Eisler-Bilder

Hanns Eisler

Hanns Eisler

gefördert durch die Hanns und Steffy Eisler Stiftung.

Hanns Eisler sei der “Karl Marx des Kommunismus auf dem Gebiet der Musik”, so lautet der Vorwurf des Chef-Ermittlers vor dem berüchtigten Ausschuß zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten in Washington 1947. Er fühle sich geschmeichelt, erwiderte der Beschuldigte kämpferisch. Zu diesem Zeitpunkt lag seine Kampfmusik-Phase, die ihn zu dem wohl bedeutendsten Musiker der Arbeiterbewegung gemacht hatte, bereits weit zurück. Eisler zählte nun zu den erfolgreichen Hollywood-Komponisten, wohnte in Malibu direkt am Pazifikstrand und hatte eigentlich vor, die US-Staatsbürgerschaft zu erwerben. Ein halbes Jahr später wurde er zurück nach Europa gezwungen. Zunächst landete er in Wien, wo er von seiner frühen Kindheit bis zum Abschluss des Studiums bei Arnold Schönberg gelebt hatte. Jedoch war eine Figur wie Eisler auch hier unerwünscht. Aus dieser Perspektive betrachtet, könnten seine DDR-Jahre als ein zweites Exil interpretiert werden, wenngleich diesmal keine lebensbedrohende Situation zugrunde lag. Sein erstes Exil ab 1933, die Flucht vor den Nazis, hatte ihn, “öfter als die Schuhe die Länder wechselnd”, schließlich in die USA getrieben. Politische Katastrophen und existenzielle Nöte haben sein Leben geprägt. Seine Musik ist ebenso vielfältig wie die gesellschaftlichen Verhältnisse, für die sie komponiert wurde.

Vor 50 Jahren starb Hanns Eisler in (Ost-)Berlin. Mit Hilfe der Künste die Welt zu verändern, weil diese es brauche, blieb immer sein Ziel. Die innovative Kraft seines Werks hat Generationen von Musikern und Hörern inspiriert – doch wie aktuell ist es für uns heute?

Es sprechen zur Eröffnung:

  • Maren Köster (Musikwissenschaftlerin)
  • Lutz Kirchenwitz (Kulturwissenschafter, Vorsitzender des Vereins Lied und soziale Bewegungen)

Musik:

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