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Veranstaltungstipp: “Aus dem Leben der Indianer”

Görnandt_FlyerWenn man Zeitungen nicht mehr lesen kann, sollte man Zeitungen übermalen! Es ist wie das Abdichten eines zugigen Fensters: Immer mehr Ritzen werden gestopft, bis es nicht mehr zieht … Nur wo man will, lässt man ein Loch für den Blick auf den unterliegenden Text oder ein Foto. So wandelt sich die Seite zu einer neuen Geschichte, die den Übermaler oft selbst überrascht und den nächsten Betrachter vor ein Rätsel stellt. Die Macht der Worte des Zeitungsmalgrundes wird durch die Kraft der Fragen der Übermalungen gebrochen. Im Herbst 1989 habe ich meine Tageszeitung übermalt, um meine Fassungslosigkeit beim Lesen zu überwinden. Es war eine Möglichkeit, Frustration durch Spielerei und Lachen abzuwehren.

2014, also 25 Jahre später, entdeckte ich die Blätter durch Zufall in der Tiefe meines Schrankes und zeigte sie meinem Freund Thomas Neumann. Der quietschte vor Vergnügen, bearbeitete die kleinen Blätter am Computer und bahnte eine Ausstellung an. Er hat also einen kleinen Schatz in meiner Wegwerfgrube gehoben, weshalb ihm die fröhliche Mitautorenschaft gebührt. Die Blätter sind in keiner Weise – auch nicht die Untertitel – im Nachhinein bearbeitet. Alles ist so zu sehen, wie es jeweils am Abend eines Tages entstand und weggelegt wurde.

(Matthias Görnandt)

Zur Ausstellungseröffnung führen Matthias Görnandt und der Percussionist Hermann Naehring einen ersten kurzen Ausschnitt aus einer Klang-Wort-Collage auf. Sie basiert auf den übermalten und dann wieder sicht- und hörbar zu machenden Textfragmenten der Zeitungsseiten von 1989. Diese Collage wird in den kommenden Monaten weiter ausgearbeitet und wird sich zu einem ganzen Programm entwickeln, das ab 2015 bei Festivals und in Konzerten zur Aufführung kommen kann.

Ausstellung

  • 23.09. bis 10.10. 2014
    täglich 9.00 bis 21.00 Uhr
  • im Foyer des FMP1 (Eintritt frei)
    Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Vernissage

  • 23.09.2014, 18.30 Uhr

Finissage

  • 10.10.2014, 20.00 Uhr

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